Allgemein, Geschichten

Es gibt sie also wieder, die gute alte Poliklinik

Im vergangenen Jahr besuchte ich mit meiner Freundin die Erzgebirgsstadt Schneeberg, wo wir gemeinsam die Schulbank gedrückt und das Abitur abgelegt haben. Gleich neben unserer alten Schule fand ich das folgende Schild:

Aha, das Krankenhaus wurde geschlossen und daraus eine Poliklinik gemacht. Erstaunlich. Hier könnt ihr es selbst nachlesen: https://www.bergstadt-schneeberg.de/texte/seite.php?id=403236

Was daran so erstaunlich ist? Nun, bis zur Wende gab es überall in der DDR Polikliniken, die selbstständige staatliche ambulante Kliniken mit mindestens vier verschiedenen medizinischen Fachbereichen waren. Sie waren, mit Ausnahme einiger Universitätspolikliniken, nicht mit Krankenhäusern verbunden und waren die überwiegende Organisationsform ambulanter ärztlicher Behandlung in der DDR. Die Polikliniken hatten in baulicher Hinsicht häufig klinikähnliche Strukturen, waren aber meist nicht an ein Krankenhaus angeschlossen. Kleinere oder spezialisierte Einrichtungen (teilweise auch in Betrieben) wurden Ambulatorium, oder Landambulanz genannt. In der Regel verfügten die Polikliniken über eigene Labore, Röntgenabteilungen und Physiotherapeuten. Auch gab es nur eine Patientenakte, auf die jeder Arzt zugreifen konnte. Nach der Wende wurden die Polikliniken geschlossen oder in Ärztehäuser verwandelt, oder auch Ärtehäuser neu errichtet.

Die erste Poliklinik ging übrigens auf Hufeland zurück, der 1810 die erste Polikilinik an der Berliner Charite errichtete. Also ist die Poliklinik keine Erfindung der DDR.

Bleibt also alle schön gesund, ganz gleich, ob Ihr eine Poliklinik, ein Ärztehaus oder einen Arzt Eures Vertrauens in Eurer Region besuchen könnt, falls das mal nötig ist.

9 Gedanken zu „Es gibt sie also wieder, die gute alte Poliklinik“

  1. „Auch gab es nur eine Patientenakte, auf die jeder Arzt zugreifen konnte. “

    Ich war kürzlich beim Hausarzt und zeigte meine Neurodermitis vor, an der ich schon mindestens 3, 4 Jahre wieder leide.
    Laut Arzt gab es bei ihnen keine Unterlagen dazu. Also habe ich meine eigenen (2x Uniklinik 2021) vorgelegt, nur um dann zu erfahren, dass die Dokumente doch da waren, „nur nach hinten gerutscht“.

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    1. So kann es gehen. Bis zum Alter von 9 Jahren wohnten wir in Plauen. Später, als mein Vater in Rente war, zogen meine Eltern dorthin zurück. Als ich sie irgendwann nach meinem Studium besuchte und wegen irgendwas einen Artzt benötigte, war ich schier erstaunt, dass meine Akte in der Poliklinik noch existierte..

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  2. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich als Kind auch in Frankfurt/M öfters in die Poliklinik musste. Sie war zwar der Uni-Klink angeschlossen, aber trotzdem irgendwie selbstständig. Wenn der Hausarzt nicht mehr weiterhelfen konnte, ging es ab in die Poliklinik. Ob es die heute noch gibt, weiß ich allerdings nicht.
    Liebe Grüße
    Roland

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  3. Mein Hausarzt telit sich mit vielen anderen Aerzten die Fredericksburg Clinic. Fuer Notfaelle, besonders am Wochenende, gibt es zwar unser Krankenhaus mit dem „Emergency Room“, aber da muss man normalerweise lange warten, bis man drankommt, und es ist enorm teuer. Ich gehe dann lieber in eine „Emergency Clinic“, das sind (gute) Praxen, die 24 Stunden an 7 Tagen geoeffnet sind, und – wenn es denn nichts besonders Schweres ist – mir reichen.
    Zum Gesundheitswesen hierzulande habe ich uebrigens gerade eine Serie unter „Donnerstaegliche Perspektive“ abgeschlossen. Meine beiden letzten Artikel dazu findest Du hier:
    https://wp.me/p4uPk8-3OE
    https://wp.me/p4uPk8-3NU
    Bleib‘ auch Du gesund, und liebe Gruesse,
    Pit

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      1. Mary und ich habe auch ueberlegt, ob wir zusammen nach Deutschland ziehen wollten, aber da haette sie gar keine Krankenversicherung gehabt, waehrend meine deutsche eben auch meine Kosten hier in den USA uebernimmt. Marys zahlt im Ausland grundsaetzlich keinen einzigen mueden Cent.

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