Allgemein, Fotos, Geschichten

Wenn einer eine Reise tut,

dann kann er was erzählen.

Nun ist es schon wieder eine Woche her, dass ich nach Leipzig aufbrach. Der Flixbus fährt von Greifswald aus durch bis Leipzig. Das ist schon recht komfortabel, allerdings muss ich auch erst bis Greifswald kommen. Ursprünglich hatte ich angedacht, mit dem Auto nach Greifswald zu fahren und mein Auto auf dem großen Parkplatz abzustellen. Als ich jedoch kürzlich meine Freundin zum Bus brachte, war der Parkplatz wegen Überfüllung geschlossen. Also musste ich doch auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, denn all die, die mich gern gefahren hätten, stehen noch im Berufsleben, also auch keine Variante, wenn man werktags vormittags verreisen will. Das sicherste ist wohl die UBB, aber da war mir die Umsteigefrist zu kurz. Man soll ja 15 Minuten vor Abfahrt des Flixbusses da sein. Wenn der Zug pünktlich ist, hätte ich genau drei Minuten Zeit. Das wäre optimal. Da ich jedoch so ein Sicherheitsfanatiker bin, entschied ich mich für den Bus, der nur eine knappe halbe Stunde vor dem Zug fuhr und mir reichlich Zeit zum Umsteigen ließ. Der Bus fuhr über die Dörfer. Ich erfreute mich an den schön geschmückten Häusern und Grundstücken und bedauerte die vielen frierenden Kinder an vielen Bushaltestellen. Nur ganz wenige nahmen unseren Bus. In einem Dorf stieg ein etwa Zehnjähriger mit den fröhlichen Worten: „Guten Morgen Herr Busfahrer, ich hätte gern ein Ticket nach….“ Mir ging das Herz auf, so nett fand ich den kleinen Kerl.

In Greifswald hatte ich eine knappe Stunde Zeit, also gönnte ich mir noch einen leckeren Kaffee, erkundigte mich  im Reisezentrum nach Fahrtmöglichkeiten für die Rückreise und ging noch etwas spazieren. Grinsend stellte ich fest, dass die UBB natürlich pünktlich war. Nur der Flixbus kam mit zehnminütiger Verspätung.

Dass der Bus ausgebucht war, an einem Freitag, war nicht weiter verwunderlich. Ich ergatterte einen Fensterplatz und war noch dabei, mich einzurichten, als ein junges Mädchen auf den Sitz neben  mir plumste. Auf mein freundliches „Guten Morgen“ erfolgte keine Reaktion, wahrscheinlich drang mein Gruß nicht durch ihre Kopfhörer.

Der Bus hielt an der B 96 an jeder Milchkanne. Irgendwann stieg ein Mann ein, der lauthals mit seinem Engelchen telefonierte und sich in unendlichen Liebeserklärungen ergoss. Auch an Ihren wortreichen Sprachnachrichten, die vor Liebe nur so troffen, ließ er uns teilhaben. Die ellenlange traurige Sprachnachricht einer anderen beantwortete er nur schroff, dass er jetzt keine Zeit habe, um sich gleich wieder seinem Engelchen zu widmen. Ich schaute mir den Herrn mal so an und dachte, na, eine Schönhet ist er ja nicht, ungepflegt mit häßlicher Pudelmütze und Jogginghosen. Na, wahrscheinlich klappert er gerade seine Annoncenbekanntschaften ab. Weihnachten steht schließlich vor der Tür. Endlich war es ihm gelungen, sein Telefon so einzustellen, dass zumindest die eingehenden Sprachnachrichten nicht mehr an mein Ohr kamen. Er säuselte aber unentwegt weiter, bis er in Berlin ausstieg. Meine Sitznachbarin auch. Sie war kaum weg, da schmiß sich eine Dame in einer wesentlich höheren Gewichtsklasse auf den Sitz neben mir. Mit ihrem Mantel deckte sie mal eben meine Zeitschrift zu, die auf meinen Knien lag und in der ich lesen wollte. Etwas unwillig bat ich sie, den Mantel wegzunehmen, denn mir war nicht kalt. Das fand sie gar nicht toll. Beim nächsten Zwischenstopp sprang sie auf, denn vor uns waren zwei Sitzplätze frei. Der Bus war nicht mehr so voll, also begann ich, mich häuslich einzurichten. Plötzlich stand ein freundlicher junger Mann neben mir und fragte mich ausgesprochen höflich, ob er sich zu mir setzen dürfe, denn sein Sitzplatz sei wohl reserviert. Kein Problem. Der junge Mann stammte aus Polen, arbeitet seit drei Jahren in Deutschland und sprach ein ausgezeichnetes Deutsch. Ein wirklich angenehmer Reisebegleiter, mit dem ich mich gern unterhielt. Schnell verging die Zeit. Allerdings kamen wir mit einer Stunde Verspätung in Leipzig an, was für meine Freundin blöd war, die mich abholte. Aber sie nahm die Sache gelassen. Allerdings mussten wir uns nun etwas beeilen, denn für den Abend waren wir bei ihrem Enkel zum Babysitten engagiert.

Ein reichhaltiges Programm stand für die Woche auf ihrem Plan. Dass sie Karten für Samstag zum Orgelkonzert im Gewandhaus besorgt hatte, verriet sie mir schon im Vorfeld. Darauf freute ich mich schon seit Wochen, zumal ich noch nie im Leipziger Gewandhaus war. Rechtzeitig waren wir im Gewandhaus, dass ich mir gern genauer ansah. Aus dem Fenster hatten wir einen schönen Blick auf den Augustusplatz und einen kleinen Teil des Weihnachtsmarktes:

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Blick aus dem Fenster aus dem Leipziger Gewandhaus

Natürlich verbanden wir den Konzertbesuch mit einem ausgedehnten Besuch auf dem Weihnachtsmarkt. Wir futterten uns von Stand zu Stand und gönnten uns auch etwas Glühwein und sogen die leckeren Düfte in uns auf. Wir freuten  uns vor allem über die vielen Stände mit erzgebirgischer Schnitz- und Drechselkunst. Schließlich sind wir beide im Erzgebirge aufgewachsen.

Am Sonntag besuchten wir die Lutherstadt Wittenberg und den dortigen Weihnachtsmarkt. Die Stadt muss ich mal im Frühjahr mit der Kamera besuchen. Im Juni gibt es dann einen großen Mittelaltermarkt , den wir uns schon mal auf den Kalender gelegt haben.

Am Montag besuchte ich meine Geschwister in Leipzig. Ach, war das wieder schön.

Am Dienstag vormittag besuchten wir das Museum im Delitzscher Schloß vor allem wegen der Puppenstubenausstellung.  Soooo viele schöne Kindheitserinnerungen konnten wir teilen. Für den Abend hatte die Freundin schon Kabarettkarten besorgt. Herrlich. So habe ich lange nicht gelacht. Nur die Rückfahrt hatte es in sich. Schon beim der Fahrt in die Stadt wunderten wir uns über die vielen Polizeiautos mit Blaulicht. Bei der Rückfahrt war schnell klar, die Straßen waren weiträumig wegen eines Bombenfundes abgesperrt. Glücklicherweise hatte mein Smartphone noch etwas Strom, so dass wir per Google Maps navigieren konnten. Erst einmal spielte das Ding jedoch völlig verrückt, der nette junge Bereitschaftspolizist am Straßenrand war jedoch sehr geduldig und stand mir hilfreich zur Seite. Google Maps kannte sich gut aus und führte uns durch eine Gegend, in der ich dachte, ich sei in einem Edgar Wallace- Film gelandet. Was waren wir froh, als wir endlich wieder in hell erleuchtete Gegenden  und auf die uns bekannte Strecke kamen.

Am Mittwoch hieß es schon wieder an die Heimreise denken. Wir fuhren noch mal nach Leipzig. In Gohlis hatten wir in der Nähe des Schillerhäuschens während unseres Studiums gewohnt, dieses aber nie besichtigt. Das holten wir endlich nach.

Viel hatten wir uns auch dieses Mal wieder zu erzählen. Die Zeit verging wie im Fluge. Einige Termine stehen schon fest für das kommende Jahr, einige Reisepläne haben wir schon. Jetzt genießen wir erst einmal die Adventszeit und das Weihnachtsfest. Natürlich waren wir auch wieder rechtzeitig losgefahren um den Flixbus nicht zu verpassen. So hatten wir noch genug Zeit, mal kurz duch den Leipziger Hauptbahnhof zu bummeln:DSC_0154DSC_0153

Die Rückreise verlief unspektakulär. Da ich donnerstags reiste, war der Bus nicht voll und ich konnte es mir auf zwei Sitzplätzen gemütlich machen. Natürlich hatte der Bus wieder Verspätung, so dass ich meinen ersten Zug nur noch aus der Ferne fahren sah. Der nächste fuhr eine Stunde später, aber das war nicht weiter schlimm.

Zu Hause angekommen, stellte ich fest, dass der Niklaus schon in unserem Haus gewesen ist. Schnell verteilte ich noch die Plätzchentüten, die ich schon vor der Abreise gefüllt hatte.DSC_0155

Fleißig ware er, der Nikolaus.

Eine ereignisreiche wunderschöne Woche ist schnell vergangen.

 

7 Gedanken zu „Wenn einer eine Reise tut,“

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