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Eine Reise in die Vergangenheit

In der vergangenen Woche besuchte ich meine Schul-und Studienfreundin, die in der Nähe von Leipzig wohnt. Nachdem wir bereits im Erzgebirge die Schulbank vier Jahre gemeinsam gedrückt hatten, um das Abitur abzulegen, studierten wir von 1970- 1974 gemeinsam an der Handelshochschule in Leipzig, die sinnigerweise im Merkurhaus untergebracht war. Merkur ist bekanntlich der Gott der Redner, Reisenden, Kaufleute und Diebe. „warum ist das Merkurhaus denn rund?“P1120398 war eine beliebte Frage unter uns Studenten. „Na, hast Du schon mal einen eckigen Zirkus gesehen?“

Vor 45 Jahren beendeten wir unser Studium und hielten losen Kontakt, schrieben uns ab und an mal zum Geburtstag, telefonierten gelegentlich und trafen uns selten bei Klassen- oder Studientreffen. Erst seit vergangenem Sommer hören wir wieder öfter voneinander und waren sofort wieder sehr vertraut miteinander. Beide hatten wir das Gefühl, als wären wir erst vor ganz kurzem auseinandergegangen. Manchmal genügte ein „weeeßte noch, Knöllchen in der Straßenbahn?..“ und wir brachen in Gelächter aus. Lachend stellten wir allerdings auch fest, dass sich mal die eine, mal die andere an etwas erinnerte, was der anderen völlig entglitten war. Wir suchten unser altes Seminarhaus auf, das damals noch  „Leibnitzhaus“ hieß und jetzt wieder die alte Nikolaischule ist. Damals war es mehr eine Ruine, ganze Gebäudeteile waren wegen Baufälligkeit gesperrt und in den restlichen hatte man auch oft ein mulmiges Gefühl. Es ist erstaunlich, dass das Gemäuer tatsächlich noch bis zur Wende stehen geblieben ist und danach toll hergerichtet wurde.P1120502

Gleich gegenüber ist noch immer das Geschwister-Scholl- Haus zu finden, in dem wir ebenfalls Vorlesungen hatten:P1120504

In der Hainstraße suchten wir vergeblich nach dem Haus, in dem  unser Fremdsprachenunterricht (russisch und englisch) stattfand.

Wir bummelten durch die Innenstadt, die sich ja sehr zum Positven verändert hat. Herrn Schneider sei dank. Die Cafes, in der wir viel Zeit verbrachten, gibt es nicht mehr, auch nicht das Tageskino, in dem wir viele alte Filme sahen. Dafür gibt es die Pinguin-Milchbar noch und das  Gebäude, in dem wir unsere Diplome vom damilgen Handelsminister überreicht bekamen. Aber da hatte ich die Kamera gerade verstaut.

Später suchten wir unsere alte Wohnung in Gohlis. Klar, das Haus steht nicht mehr, war unsere Wohnung doch nur an Studenten vermietet worden, weil es in solch schlechtem Zustand war. Aber auf dem Hof gibt es noch Reste der alten Schlosserei:

In Gohlis war ich total gerührt und aufgeregt, hier hatte ich schließlich vier Jahre mit meine Freundin gewohnt. Die Häuser in der Nachbarschaft waren früher nur grau und deckig, ihre wahre Schönheit blieb uns verborgen:

 

Hier kann man einen guten Vergleich zwischen damals und heute ziehen:dsc_10941458131251.jpg

Meine Freundin erinnerte sich an eine Drogerie gegenüber der Straßenbahnhaltestelle. Da fehlte mir jegliche Erinnerung, dafür wusste ich noch, dass es wohl eine Drogerie gegeben haben musste, denn dort hatte ich das Ameisengift gekauft, als eine etwa 2 cm breite Ameisenstraße quer über den Hof, die Hauswand hoch bis in unser Zuckerglas im zweiten Stock führte.

Ja, es gab tatsächlich diese Drogerie.

Natürlich gingen wir die paar Schritte bis zum Schillerhäuschen, mit dem uns am meisten der DEFA-Film „Du und ich und Klein-Paris“ verbindet.

Und zum Schluss noch eine Leipziger Kuriosität, die mir meine Freundin zeigte:

Da das Neue Rathaus ewig nicht fertig wurde ( man baute etwa 6 Jahre daran) ließ sich der Architekt die folgende Kuriosität einfallen:

Was würde er wohl am Berliner Flughafen anbringen????

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11 Gedanken zu „Eine Reise in die Vergangenheit“

  1. Wenn alles klappt, so gibt es bei mir nächstes Jahr ein Klassentreffen… 50ster Jahrestag der Mittleren Reife. Mit einer Freundin habe ich seit dem Abschluss und trotz der Entfernung noch regelmässigen Kontakt, mit drei anderen über Facebook und eine habe ich vor ein paar Monaten gesucht und gefunden und habe wieder Kontakt.

    Dein Bummel durch Leipzig hat mir sehr gut gefallen und ich finde es klasse, dass die Gebäude und die Häuser heute wieder schön darstehen!

    Viele Grüsse
    Christa

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  2. Ist die Nikolausschule nicht in der Innenstadt?
    Am Schillerhäuschen bin ich auch schon vorbei gegangen.
    Immer wieder schön, wenn man etwas wieder erkennt.
    Ich fand die Unterschiede der Gebäude krass. Neben völlig abbruchreifen Häusern standen toll Instant gehaltene.
    Vor allem die Straße vom Bahnhof zur Innenstadt hat diese Unterschiede extrem gezeigt.

    Gefällt 1 Person

    1. Vor unseren Treffenschaue ich mir immer die Alben mit den wenigen schwarz-Weißfotos an und versuche die Namen dazu herauszufinden. Einige sehen noch aus wie damals, an andere erinnert die Stimme oder eine bestimmte Geste und wieder andere sind mir völlig fremd.

      Gefällt 1 Person

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