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Der Mäusedieb

Ich stehe am Küchenfenster und halte Ausschau nach Kater Karlchen, der sich heute noch nicht blicken lassen hat. Na, scheint ihm ja wirklich wieder gut zu gehen, denke ich und blicke versonnen auf den Teich, auf dem gerade wieder das Entenpaar zu Besuch ist. Der schillernd bunte Erpel zieht seine Kreise. Hoffentlich lässt er meine Fische in Ruhe, die bunten, von den anderen gibt es ja reichlich. Die Ente nimmt erst einmal ein ausgiebiges Bad. Vergnügt platscht sie mit den Flügeln auf das Wasser, so dass es hoch aufspritzt. Anschließend zeigt sie, wie es zu dem Kinderlied „Alle meine Entchen“ kam. Immer wieder taucht sie mit dem Kopf ins Wasser und reckt das Schwänzchen in die Höh. Offensichtlich hat sie im Uferschlamm Leckeres gefunden, denn der Erpel tut es ihr gleich. Schmunzeld schau ich ihnen zu. Die Hoffnung, dass sie hier zu brüten beginnen und kleine Entlein aufziehen, habe ich begraben, denn hier auf dem Grundstück leben neben diversen Katern auch Marder, Dachs und Fuchs. Da haben die Enten schlechte Karten.

Plötzlich kommt Karlchen mit stoz erhobenem Kopf die Treppe vom Teich herauf. In seinem Mäulchen strampelt eine Maus und quietscht um ihr Leben. Karlchen war also bereis wieder auf der Arbeit, freue ich mich, denn einige Tage war er ja sehr krank und lag nur traurig im Garten oder in seinem Körbchen.

Aber da, was ist denn das?

Eine Elster kommt laut krächzend im Sturzflug auf den Kater zu und verfolgt ihn, aufgeregt mit den Flügeln schlagend und laut krächzend. Sichtlich erschrocken lässt er die Maus fallen. Die Elster stürzt sich sofort darauf und fliegt mit der zappelnden Maus im Schnabel triumphierend davon.

Karlchen blickt ihr verdattert hinterher und stimmt ein herzzerfetzendes Klagelied an. Also öffne ich ihm schnell die Tür und biete ihm ein leckeres Frühstück an, das er mit sichtlich gutem Appetit verzehrt. Die bittere Medizin mag er inzwischen überhaupt nicht mehr. Hoffentlich gibt die Tierärztin morgen grünes Licht zum Absetzen der Medikamente.

Jetzt liegt er mir zu Füßen und erholt sich von den Aufregungen der Nacht und der Mäusejagd. Den Verlust der Maus wird er sicher rasch verschmerzen, denn er nutzt sie sowieso nur zum Spielen und überlässt sie dann den anderen Tieren….

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